21

Jun

Erste Auswirkungen auf das Gesetz zur Internetsperre

Kategorie: Netzpolitik

Autor: Benjamin Häntzschel

Wie bereits berichtet, haben CDU und SPD am vergangenen Donnerstag das Gesetz zur Sperrung von Internetseiten mit kinderpornographischen Inhalten und der damit verbundenen Schaffung einer Infrastruktur für eine allgemeine Internetzensur verabschiedet. Die Reaktionen darauf vielen nicht nur im redKite Blog sehr kritisch aus. Ich habe die Auswirkungen einmal hier zusammengefasst.

Deutschlandweite Demonstrationen am vergangenen Samstag

Am Samstag kam es, leider kaum in den Medien vertreten, zu deutschlandweiten Protestdemonstrationen gegen die Zensur von Internetsperren. Die Demonstrationen wurden von Mitgliedern und Sympathisanten der Piratenpartei organisiert und standen unter dem Motto „Löschen statt Sperren“. Dafür, dass die Demonstrationen doch sehr kurzfristig zu Stande gekommen sind, hatten sich in den Städten insgesamt einige Hundert Menschen auf die Straße begeben.

Im Blog von Christian Boris Schmidt gibt es ein Video von der Demonstration in Berlin. Dabei wird auch schon auf die nächste Demonstration am 12.09.2009 in Berlin unter dem Motto „Freiheit statt Angst“ hingewiesen.

Erster Pirat im Bundestag

Bereits am Freitag gegen Abend gab es Gerüchte, dass der Bundestagsabgeordnete der SPD, Jörg Tauss , aufgrund der Missachtung von Bürgerrechten in seiner Partei den Austritt in Erwägung ziehe. Klarheit verschaffte er am Samstag auf der Kundgebung der Demonstration gegen Zensur in Berlin. Dort bestätigte er den Austritt und bot der Piratenpartei seine zukünftige Unterstützung an. Die Piratenpartei hat mittlerweile seine Aufnahme begrüßt. Zum momentanen Verfahren, dass noch gegen Tauss läuft gilt die Unschuldsvermutung bis das Gegenteil bewiesen ist. Tauss selber denkt, dass dieses bald eingestellt wird.

Grüne kritisieren Enthaltung ihrer Bundestagsabgeordneten

Viele Mitglieder, auch in höheren Positionen, kritisieren das Verhalten der 15 grünen Bundestagsabgeordneten, die  sich bei der Abstimmung enthalten zu haben. Aus diesem Grund wurde bei den Grünen eine Parteipetition gestartet. Bei den Bundestagsabgeordneten ist wohl noch dringend Aufklärung erforderlich. Jedes Mitglied und Nicht-Mitglied kann die gPetition hier unterstützen.

18

Jun

Zensur: Nach 20 Jahren Mauerfall kommt die Internetmauer

Kategorie: Netzpolitik

Autor: Benjamin Häntzschel

“Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.
(Grundgesetz Artikel 5, Absatz 1)

Ein schwarzer Tag für Deutschland. Ein schwarzer Tag für die Meinungs- und Pressefreiheit in Deutschland. Heute Abend wurde im Bundestag das Gesetz zur Zensur von Internetseiten verabschiedet, welches unter dem scheinheimlichen Deckmantel zum Schutz vor Seiten mit kinderpornographischem Inhalt, zur Abstimmung stand.

„Zum ersten Mal schäme ich mich für dieses Parlament“
(Jörg Tauss, SPD Bundestagsabgeordneter via Twitter)

Reaktion von Jörg Tauss auf Zensursula

Reaktion von Jörg Tauss auf Zensursula

Neben wenigen Abweichlern aus den Reihen der SPD, die ihre Unterstützung verweigerten, votierte die Opposition aus FDP und Linke gegen das Gesetz. Bei den Grünen haben sich viele der Abstimmung enthalten. Ursula von der Leyen, besser bekannt unter ihrem Spitznamen Zensursula, war bei der Debatte davor und bei der Abstimmung nicht einmal anwesend!

Dass dieses Gesetz nicht die optimale Lösung zur Lösung des Problems ist, ist unter Experten und vielen, die sich täglich mit dem Medium Internet beschäftigen, weitreichend bekannt. Mit der Verabschiedung des Gesetztes werden vom BKA Sperrlisten von Seiten erstellt, auf diese man in Deutschland nicht mehr zugreifen kann. Diese Sperrlisten werden nicht veröffentlicht.

Ist die Bereitstellung der Infrastruktur erstmal vorhanden, so ist es keine große Sache mehr diese Sperrung auf andere Seiten auszuweiten. Das das Ganze nicht nur Utopie ist zeigen doch schon die Vorschläge einiger Politiker: „Man könnte doch auch noch dieses und jenes kontrollieren zensieren“.

Klage vorm Bundesverfassungsgericht

Nach der erfolgreichen Petition gegen dieses Gesetz, initiiert von Franziska Heine, möchte diese nun eine Klage vorm Bundesverfassungsgericht einreichen. Gut so, wir dürfen uns noch nciht geschlagen geben!

Namentliche Abstimmungsliste zum Gesetz

02

Jun

Twitter – Die Datenbank für Einbrecher?

Kategorie: Twitter

Autor: Benjamin Häntzschel

Dass man im Internet nicht alle seine Daten preisgeben sollte wissen doch schon die Meisten. Jedoch können auch mögliche harmlose Nachrichten zum Verhängnis werden. Und ich spreche hier nicht von dem Tweet, dass man sich gerade in der Einkaufszone befindet, obwohl man krank geschrieben ist. Der Chef könnte ja mitlesen!Nein, es geht um ganz normale Tweets, wie „Komplette Familie auf dem Weg nach Gran Canaria. Bald gibts Sonne für 2 Wochen“. Was ist an dieser Nachricht so problematisch?

Twitter bietet eine hervorragende Datenbank für Einbrecher. Klar möchte ich jetzt keine Panik verbreiten, aber man sollte sich dieser Gefahr bewusst sein. In den USA ist genau dieser Fall womöglich eingetreten.

Ein Familienvater hat über die Wochenendreise getwittert und dabei erzählt, dass die komplette Familie einen Ausflug unternimmt. Nach dem Wochenende, als er zurück kam, waren Gegenstände im Wert von mehreren Tausend Dollar verschwunden. Dabei sollte man noch erwähnen, dass es sich um den Account der eigenen Videpodcast Firma handelte. Bei den Gegenständen handelte es sich somit um hochwertiges teures Videosequipment, was dem Einbrecher wohl bekannt war.

Es ist zwar noch nicht 100%ig geklärt, ob sich der Einbrecher die Informationen über Twitter besorgt hatte, jedenfalls hätte er diese darüber einfach haben können. Man sollte immer vorsichtig damit umgehen, was man selbst veröffentlicht. Es gibt leider genug schwarze Schafe dort draußen, die das zu ihren Gunsten ausnutzen könnten.

01

Jun

Bing – Microsofts neue Suchmaschine (noch) mit Schwächen

Kategorie: Allgemein

Autor: Benjamin Häntzschel

Nachdem Microsoft mit seiner Suchmaschine Live.com wenig Erfolg hatte, wird nun ein neuer Anlauf mit Bing versucht um Google Marktanteile streitig zu machen. Das ist für Microsoft auch bitter nötig. In Deutschland hatte die vorherige Suchmaschine von Microsoft gar nur einen Anteil von mickrigen 1,7%. Google dominiert den deutschen Markt mit einem hohen Marktanteil von 94,2 %. In den USA sieht es nicht ganz so katastrophal aus wie hier, immerhin schafft es Microsoft in den USA noch auf einen Marktanteil von 8,2%.

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Aktuelle Suchmaschinenmarktanteile im deutschsprachigen Raum

Ob es Microsoft schafft den Abwärtstrend zu stoppen steht noch in den Sternen.Der erste Eindruck der neuen Suchmaschine Bing ist schon einmal recht positiv.

Das Suchfeld

Die Seite an sich ist sehr einfach und übersichtlich gehalten. Ein Hintergrundbild macht das ganze etwas freundlicher. Über dem Suchfeld stehen einem 7 Textlinks zu anderen Services von Microsoft zur Verfügung.

Etwas verwirrend ist der Link „Shopping“. Nach einem Klick landet man auf der Seite von ciao.de (wurde 2008 von Microsoft übernommen). Erwartungsgemäß, wie von Google gewohnt, sollte mir Bing ein Suchfeld anbieten und mir dann Produktergebnisse zu meiner Suche anzeigen. Hier sollte Microsoft noch etwas daran arbeiten. Der Nutzen eines Links auf eine komplett andere Seite, die nicht einmal ins Design von Bing passt halte ich für sehr fraglich. Aber wir sehen ja auch noch einen sehr großen Schriftzug „Beta“ der einem noch Hoffnung auf eine Verbesserung geben kann.

Micrsosofts Suchmaschine Bing

Micrsosofts Suchmaschine Bing


SERPS (Suchmachinenergebnisseite)

Im oberen Bereich unter dem Suchschlitz werden einem wie bei Google, Werbeanzeigen gezeigt. Direkt darunter ist der organische Bereich zu sehen. Ganz interessant ist dabei die linke Spalte. Hier können die Ergebnisse nochmals gefiltert werden. Sucht man zum Beispiel nach Opel, so erscheint auf der linken Seite ein Button mit dem Vermerk News. Darunter werden einem zudem verwandte Suchvorgänge angezeigt um ein besseres Suchergebnis zu erlangen.

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Bing Suchergebnis: Weather Hamburg

Die US Version kann schon ein wenig mehr und macht es der bisherigen universelle Suche von Google gleich. Sucht man nach dem aktuellen Wetter in einer Stadt, so wird dies direkt in der Suchergebnisseite oben angezeigt. Auch zur Suche passende News, Bilder und Videos können in den Suchergebnissen auftauchen.

Geschwindigkeit

Die Seite ist sehr schnell geladen, doch dabei bleibt es auch nicht. Auch nach einem Klick auf die Lupe zur Suche werden die Suchergebnisse sehr schnell ausgegeben. In Sachen Performance zeigt sich Bing jedenfalls von seiner guten Seite.

Qualität

Die Ergebnisse von Bing bei einschlägigen Suchbegriffen sind allgemein nicht schlecht.
Und nun kommt das Aber:
Die universelle Suche bei deutschen aktuellen Themen lässt noch stark zu wünschen übrig. Wird nach „Europawahl“ gesucht, werden einem Wikipedia Artikel vorgeschlagen, aber keine News oder andere lokale Ergebnisse, wie zum Beispiel der Wahl-O-Mat. Mehr als die Standardseiten von Institutionen schaffen es bei Bing nicht auf die erste Seite.

Auch zensiert Bing recht brachial. Für bestimmte Keywords ist ein Filter aktiviert. Sucht man zum Beispiel nach „Sex Aufklärung“ so findet man nichts. Auf diesem Gebiet ist Microsoft wohl noch etwas unerfahren. Eine elegantere Lösung wäre hier wünschenswerter, als die „Schlag mit dem Holzhammer Methode.

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Bing hat keine Ahnung von Aufklärung

Fazit

Momentan taugt Bing im deutschsprachigen Raum kaum mehr als zur Grundlagensuche. Schon bei aktuellen Ereignissen versagt Bing. Zudem haben die Entwickler Bing einen Suchfilter spendiert der radikal alles zensiert bei dem ein bestimmtes Wort auftaucht. Innovation sieht anders aus. Wirkliche Erneuerungen findet man eigentlich keine beim Vergleich mit Google.
Ob Microsoft mit Bing Google irgendwann Konkurrenz machen kann wird die Zukunft zeigen. Allerdings gibt es noch genug für die Entwickler zu tun.

Update

Nachdem ich heute Abend die Live Vorstellung Microsofts von Bing gesehen habe, muss ich sagen, dass Bing doch Potential hat.  Da ich hauptsächlich nur die deutschsprachige Seite getestet habe, waren mir die meisten Features verborgen geblieben. Bei der US- Seite sind doch einige interessante Features dabei.

Für den deutschsprachigen Raum bleibt es bisher bei diesem Fazit, jedenfalls bis Microsoft es geschafft hat diese Funktionen auch hier bei uns einzuführen. Es ist nur noch eine Frage der Zeit bis das geschieht, so lange bleibt zumindest für den deutschen Sprachraum Google das A und O.

Video:
Vorstellung Microsofts von bing (Englisch) [in kürze online]

Quelle Marktanteile:
http://www.webmasterpro.de/portal/webanalyse-suchmaschinen-marktanteile.html